Wanderung von Bad Harzburg zum Luchs-Schaugehege

Im Nationalpark Harz scheue Tiere aus der Nähe betrachten

Luchs im Schaugehege - Ruth Lisa Knapp
Luchs im Schaugehege - Ruth Lisa Knapp
Eine Wanderung im Harz ist zu jeder Jahreszeit ein besonderes Erlebnis. Diese führt vom Bahnhof Bad Harzburg zu den Rabenklippen mit dem Luchsgehege und zum Café Winuwuk.

Es gibt wieder Luchse im Harz, seit im Jahr 2000 dort ein Wiederansiedlungsprojekt gestartet wurde. Ihnen in freier Wildbahn zu begegnen ist eher unwahrscheinlich, denn die großen Katzen sind sehr scheue Wildtiere. Um Wanderer dennoch mit dem Luchs vertraut zu machen, wurde bei Bad Harzburg ein Gehege eingerichtet, in dem zur Zeit vier Luchse beobachtet werden können. Dank origineller Gaststätten lassen sich bei dieser Wanderung Natur- und Kulturerlebnisse gut verbinden.

Vom Bahnhof zur Harzburg

Die kleine Stadt Bad Harzburg am nordöstlichen Harzrand erreicht man mit dem Zug aus Richtung Braunschweig oder Hannover. Zwei bunte Glasfenster tauchen die Bahnhofshalle in ein feierliches Licht. Man spürt gleich, dass dies ein Kurort mit Vergangenheit ist. Durch die Herzog-Wilhelm-Straße und die „Bummelallee“ genannte Fußgängerzone gelangt man zum Badepark, wo in der stilvollen Wandelhalle verschiedene Arten von Heilwasser ausgeschenkt werden. So gestärkt geht es weiter bis zur Talstation der Seilbahn, die den Besucher für zwei Euro in wenigen Minuten auf den Großen Burgberg zur ehemaligen Harzburg bringt. Die Burg aus der Zeit der Salier ist nicht erhalten, doch hat man von hier aus einen schönen Blick auf das Harzvorland und bis nach Salzgitter und Braunschweig.

Von der Harzburg zu den Rabenklippen

Auf gut ausgeschilderten bequemen Wanderwegen geht es nun gut drei Kilometer durch den Wald oder am Hang entlang zu den Rabenklippen. An der so genannten Stelle sind riesige dunkle Granitblöcke aufgetürmt. Am Berghang links befindet sich das Gehege der Luchse, rechts sieht man in den Harz hinein auf den Brocken. Geradeaus geht es zur autofreien Waldgaststätte Rabenklippen, wo Kaffee, Glühwein und viel Deftiges serviert wird. Bei gutem Wetter kann man draußen sitzen und sowohl den Brocken wie auch die Luchse im Blick behalten.

Das Luchsgehege, Teil eines Wiederansiedlungs-Projekts

Das neue, 1500 Quadratkilometer große Gehege wurde 2006 eröffnet. In ihm leben die einjährigen Luchse Pamina und Tamino sowie zwei weitere Artgenossen, die zu menschenbezogen sind, um ausgewildert zu werden. Das Wiederansiedlungsprojekt, das jährlich drei bis vier Tiere in die Freiheit entlässt, möchte mithilfe dieser Exemplare die Menschen wieder an diese Wildtiere gewöhnen. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass dem Wanderer eine dieser großen Katzen in freier Wildbahn begegnet, denn Luchse flüchten bei Menschenkontakt sofort, doch wenn es zu einem Kontakt kommt, sollte der Mensch angemessen reagieren. Mittwochs und samstags, im Winter um 14 Uhr und im Sommer um 15.20 Uhr, kann das interessierte Publikum der Fütterung am Gehege beiwohnen und von den Wildpark-Rangern Interessantes über die Tiere erfahren.

Rückweg durch das Kalte Tal, vorbei an Hochseilpark und Märchenwald

Natürlich kann man den gleichen Weg zurück nehmen und mit der Seilbahn wieder in die Stadt hinunterfahren. Außerdem bringt ein Erdgasbus bringt müde Wanderer von den Rabenklippen direkt zum Bahnhof, allerdings nur in den Sommermonaten. Zu Fuß geht es zunächst ein Stück auf dem gleichen Weg zurück, dann biegt man nach der Schutzhütte rechts in einen kleinen Wanderpfad, der zum Molkenhaus und hinunter ins Kalte Tal führt, wo es immer an einem Bach entlang geht. Kurz vor der Stadt befindet sich links ein Klettergarten, der Skyrope Hochseilpark, und ein Märchenwald.

Das Künstler-Café Winuwuk in Bad Harzburg

Wieder bei der Talstation der Seilbahn angekommen, kann man durch den Stadtpark zurück Richtung Bahnhof schlendern. Wer Zeit hat, sollte aber unbedingt das Café Winuwuk in der Bergstraße besuchen. Der Weg dorthin führt durch ruhige Wohnstraßen bergauf. Das Kaffeehaus, von Bernhard Hoetger erbaut und von Worpsweder Künstlerkollegen ausgestattet, fällt durch seine eigenwillige Außen- und Innen-Architektur auf: Es wurde nicht am Reißbrett entworfen, sondern zunächst in Ton geformt und dann dem Gelände angepasst errichtet. Es ist seit 1922 in Betrieb, die Kunstausstellung Sonnenhof, gleich gegenüber, seit 1923. Beide Gebäude sind runde architektonische Skulpturen, in denen man sich geborgen fühlt. Nach einer erholsamen Stärkung geht es immerzu bergab zum Bahnhof zurück.

Ruth Lisa Knapp, Ruth Lisa Knapp

Ruth Lisa Knapp - Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie war ich als Lehrerin im In- und Ausland tätig, später als ...

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